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Von der Platte zum Puzzle – oder: Wer nichts riskiert, riskiert alles
Es begann mit einem Slawistik-Studium und einem damit verbundenen einjährigen Aufenthalt in Moskau. Ich lernte Literaturaufnahmen als das ideale Medium kennen, um das Hörverständnis für eine Fremdsprache zu trainieren. Quasi als Souvenir brachte ich einige hundert russische Schallplatten im Handgepäck nach Deutschland und legte damit im September 1978 den Grundstein für SoCo, kurz für ‚Soviet records‘, einen Versandhandel, der sich vorwiegend an Bibliotheken richtete.

Das Angebot erweiterte sich schnell auf Tonträger in fast dreißig Sprachen – „Der kleine Prinz“ auf Ungarisch war ebenso darunter wie chinesische Liebeslyrik und finnische Krimis. 1980 benannte ich SoCo um in LITRATON, kurz für ‚Literatur auf Tonträger‘. Die Sprachenvielfalt erwies sich eher als ein intellektueller denn als ein wirtschaftlicher Lustgewinn, so dass ich sie bald aufgab und mich auf die verstärkte Nachfrage nach deutschsprachigen Aufnahmen konzentrierte. Der Gedanke, Hörliteratur allein zum Genuss zu hören, war mir neu, aber ich verfiel dem Medium zusehens mehr – besser gesagt: zuhörens.

Das Angebot an Schallplatten und Cassetten war unbefriedigend, und meine Anregung an die damaligen Produzenten, etwas mit dem durch seine Rundfunklesungen populären Sprecher Gert Westphal zu machen, verhallte ungehört. 1987 lernte ich den ‚König der Vorleser‘ persönlich kennen. Unsere Interessen ergänzten sich: Ihm lag ebenso sehr daran, seine literarischen Programme auf Tonträger festzuhalten, wie mir, neue Aufnahmen auf den Markt zu bringen. 1988 wurde der Versand LITRATON ergänzt durch den Verlag LITRATON. Wir verfielen in einen wahren Produktionsrausch und brachten innerhalb weniger Jahre hunderte von Lesungen heraus, darunter Hörbücher von 30 und mehr Stunden Länge, das Gros Eigenproduktionen, dazu Bandübernahmen aus den Rundfunkanstalten. Da der Markt noch mehr oder weniger leer war, konnten wir so gut wie jede Idee umsetzen und uns aus dem großen Kuchen der Weltliteratur die schönsten Rosinen herauspicken. Ein paradiesischer Zustand!

Gert Westphal blieb immer die Nummer Eins im LITRATON-Verlag, aber bald kamen auch andere Künstler hinzu, die ihm in ihrem Bereich absolut ebenbürtig waren: der große Schauspieler Hans Korte war dabei, der legendäre Märchenerzähler Hans Paetsch, der wandelbare Uwe Friedrichsen, der feinsinnige Peter Striebeck und der unvergleichliche Dieter Hildebrandt, um nur die bekanntesten zu nennen. Die Zusammenarbeit war mit allen ein reines, uneingeschränktes Vergnügen, jede Produktion ein künstlerisches Kleinod.

Was nützt das beste Angebot, wenn niemand davon weiß? Unsere Bemühungen, in den Handel zu gelangen, scheiterten. Für Buch- und Schallplattenhändler waren Literaturtonträger ein zu vernachlässigendes Medium für Kranke und Blinde. Es blieb – wieder einmal – nur die Eigeninitiative: 1998 eröffneten wir in der Hamburger Innenstadt in den Großen Bleichen den ersten deutschen Hörbuchladen. Zur Eröffnung schmückte sich die Filiale einer großen Buchhandelskette auf der anderen Straßenseite mit zwei großen Schaufenstern voller Hörbücher. Aus der Kampfansage wurde zu unserem Glück so etwas wie ein Startschuss für den Siegeszug der Hörliteratur. Die großen Buchhandlungen machten den Anfang, die kleinen zogen nach – und mangels Konkurrenz waren unsere Produktionen plötzlich überall vertreten. Dabei genossen wir es, immer als erste die neuesten Werke in unserem Laden präsentieren zu können, zu dem 2002 noch ein zweites Geschäft in der Lübecker Innenstadt hinzukam.

Das Hörbuch entwickelte sich zu einem Massenmedium. Die Buchverlage, die uns zuvor die Stoffrechte mehr oder weniger mit einem gleichmütigen Achselzucken überlassen hatten, begannen, selbst zu produzieren und veröffentlichten jede Neuheit auch als Hörbuch. Es wurde für einen unabhängigen Verlag wie LITRATON schwieriger, zu vertretbaren Konditionen an gute Texte zu kommen. Man hätte Kompromisse eingehen müssen, aber einen Abstrich an unserer literarischen wie künstlerischen Qualität mochte ich mir nicht vorstellen. Zu den Problemen des Verlags kamen Phänomene wie der wachsende Internethandel und Download-Portale, die dem stationären Handel das Leben erschwerten. Das Aus für den Hamburger Laden kam allerdings aus einer anderen Richtung: im Jahre 2006 wechselte das zweihundertfünfzig Jahre alte Haus in den Großen Bleichen den Besitzer und hinter der alten Fassade entstand ein Neubau – für einen Konsumtempel mit der absoluten Mangelware Bekleidung ...

Schon einige Jahre zuvor hatten wir erfahren, dass viele Liebhaber von Lesungen sich beim Hören mit dem Legen von Puzzles beschäftigen. Durch Zufall entdeckte ich in England eine Firma, die dabei war, die seit vielen Jahren in Vergessenheit geratenen viktorianischen Holzpuzzles wieder populär zu machen. Die in ihrer Form auf das Bildmotiv abgestimmten Puzzleteile faszinierten mich, so dass ich beschloss, solche Puzzles auch in unseren Läden anzubieten. Die unerwartet starke Nachfrage regte mich an, zusätzlich mit anderen Puzzle-Arten zu experimentieren: shmuzzles kamen in die Regale, Truzzles, Unwiderstehlich-Puzzles und unendlich viele andere Varianten, die bei den Kunden bis dato meist unbekannt waren. So, wie wir Jahre zuvor das Hörbuch ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hatten, machten wir es jetzt mit den ausgefallenen Puzzle-Variationen aus aller Welt.

Was fehlte, ergänzten wir wieder durch Eigenproduktionen: Puzzles von Hamburg und Lübeck mit speziell von uns entwickelten, auf die Städte abgestimmten Schnitten. Sie wurden rasch zu dem noch heute wichtigsten Standbein unserer neuen Produktserie.

2007 musste auch der Lübecker LITRATON-Laden schließen, da die kleine Königpassage zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte. Wir konzentrierten uns in der Folgezeit auf den Ausbau unseres Internethandels, stellten aber bald fest, dass uns der persönliche Austausch mit den Kunden fehlte. 2010 eröffneten wir daher testweise mit einem Dreimonatsvertrag den bundesweit ersten Puzzleladen im Alstertaleinkaufzentrum in Hamburg. Zu unserer größten Überraschung und Freude überrannten die Kunden uns förmlich- einen Ansturm wie in diesen ersten Monaten haben wir weder vorher noch nachher je erlebt. Wir hatten vom ersten Tag an Mühe, die Nachfrage zu befriedigen. Da die Hersteller nicht so schnell liefern konnten - Holzpuzzles sind immer Individualanfertigungen - nahmen wir, um die Regale zu füllen, ausgefallene Knobeleien und kleine Spiele mit ins Angebot. Die Leere des großen Mitteltisches wurde kaschiert, indem wir Puzzles offen auslegten, damit die Kunden das unbekannte Produkt vor Ort ausprobieren konnten. Beides – die Spiele und die offenen Muster – haben wir auch beibehalten, nachdem wir den Mietvertrag mit dem AEZ verlängerten und aus dem Testlauf ein Dauerlauf wurde.

Kurzzeitverträge mit Läden in Flensburg, Bremerhaven, Schwerin und Berlin folgten, aber am wohlsten fühlen wir uns im AEZ und freuen uns, wenn Kunden aus aller Welt ‚vorbeikommen‘ und erzählen, dass sie nur wegen unseres Minilädchens beziehungsweise seiner ungewöhnlichen Puzzles und Knobeleien einen Stopp in Hamburg eingelegt haben.

Die Hörbücher, mit denen alles begann, haben wir 2019 endgültig aus dem Angebot genommen. Tipp für Genießer: Wir haben das Gros der Produktionsrechte an die Verlage dhv und dav verkauft, die die Aufnahmen nach und nach wieder veröffentlichen werden.

Grete Schulga

01. Januar 2020





Ansprechpartnerin:
Grete Schulga
AlsterCity Shopping Mall
Weidestraße 122b / Osterbekstraße 90b
22083 Hamburg
Telefon+49 (0) 40 / 229 11 93
Telefax+49 (0) 40 / 229 69 87
E-Maillitraton@gmx.de


Fachgeschäft für Puzzle und Knobeleien
Hamburger Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ)
Heegbarg 30
22391 Hamburg Poppenbüttel
Öffnungszeiten : Montag bis Samstag
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